Einmal im Jahr treffen sich die Bären zu einer großen Versammlung. Sie sprechen darüber, wie es ihnen geht oder wie es ihnen nicht geht. Oder sie erzählen sich, wie man jemandem einen Bären aufbinden kann. Wenn sie bei der Versammlung einen Bärenhunger haben, essen sie Bärlauch. Das sind Blätter, die nach Knoblauch riechen.
Zu dieser Bärenversammlung kommen alle möglichen Bären, also die Braunbären, die Schwarzbären, die Grizzlybären, die Eisbären. Und es gibt sogar Brillenbären, Lippenbären, Kragenbären, Sonnenbären, Waschbären und Nasenbären.
Aber in diesem Jahr ist alles anders. Denn diesmal kommen alle möglichen komischen Bären dazu, die bisher nicht dabei gewesen waren. Sie hatten davon gehört, dass einmal im Jahr eine Bärenversammlung stattfindet, bei der man darüber berät, wie man jemandem einen Bären aufbinden kann.
Als der Oberbär die Versammlung eröffnet, begrüßt er die ungewöhnlichen neuen Bären. Es ist ein Himbär, ein Blaubär, ein Erdbär, ein Stachelbär, ein Brombär, ein Preiselbär, ein Heidelbär, ein Johannisbär, ein Maulbär und ein Gummibär.
„Willkommen“, sagt der Oberbär, „wir haben heute neue Freunde bekommen. Das finde ich toll. Unsere Familie wird immer größer. Wir wollen darüber beraten, wie man jemandem einen Bären aufbinden kann. Wer hat eine Idee?“
Der Stachelbär meldet sich: „Wir könnten allen Menschen einen Zettel in den Briefkasten werfen, dass sie im Lotto gewonnen haben. Hihi. Stimmt natürlich nicht.“
Der Waschbär hat eine andere Idee: „Wir sagen im Radio, dass heute alle Autos an der Tankstelle beim Kreisverkehr umsonst gewaschen werden. Das wird ein toller Stau!“
Der Maulbär ist noch etwas müde und gähnt: „Naja, wenn wir sagen würden, dass der Mond ab sofort nicht mehr scheint, weil es ihm langweilig geworden ist...?“
„Oder“, sagt der Eisbär, „jetzt gibt’s kein Eis mehr am Nordpol. Die Eisläden können zumachen. Kein Eis mehr für Kinder.“
„Das wäre aber gemein“, sagt der Oberbär.
„Das ist doch nur gemogelt“, brommt der Brombär, „wir binden doch Bären auf!“
„Also gut“, sagt der Oberbär, „und was meinst du, Erdbär?“
„Ich meine“, sagt der Erdbär, „wir Bären können nur weiterleben, wenn die Menschen endlich vernünftig werden und die Erde nicht kaputt machen. Und dann gäbe es auch noch Gummibärchen. Aber damit habe ich niemandem einen Bären aufgebunden. Muss ich deshalb jetzt gehen?“
„Nein“, sagt der Oberbär, „Erdbären sagen wohl die Wahrheit.“
© Matthias Hoppe