Felix und Susi langweilen sich. Zu nichts haben sie Lust. Noch nicht mal zum Streiten. So stehen sie nur am Fenster und beobachten den Himmel. „Schau mal“, sagt Felix, „da hinten kommen ganz dunkle Wolken. Es wird bestimmt bald regnen.“
Der Himmel wird immer dunkler, aber durch die Wolkenlücken blitzt immer wieder die Sonne. Dann fängt es tatsächlich an zu regnen. Die Sonne scheint weiter. Und plötzlich ist es vorbei mit der Langeweile.
„Felix, Felix, ein Regenbogen!“ Über den ganzen Himmel hat sich ein breites buntes Band gespannt und leuchtet in allen Farben. „Schau mal, der berührt da hinten den Boden! Da will ich hin!“, ruft Susi. „Au ja, das will ich auch. Komm, lass uns sausen.“
Felix und Susi laufen auf den Regenbogen zu, bis sie auf eine Wiese kommen. „Gleich sind wir da“, sagt Susi, „schau mal, wie toll der leuchtet. Und es regnet nicht mehr!“
„Sollen wir versuchen, raufzuklettern?“, fragt Felix.
„Auf den Regenbogen klettern? Das geht doch nicht!“
„Komm, wir probieren’s.“
Ganz vorsichtig tasten sie mit den Händen die Farben ab. „Ja, man kann sich daran festhalten!“, ruft Susi, „das geht!“
„Ich klettere an Rot rauf“, sagt Felix, „und du?“
„Ich nehm’ Gelb.“
So krabbeln sie den Regenbogen hinauf, kommen immer höher und sehen die Welt von oben.
„Schau mal, da ist der Eiffelturm!“, ruft Felix.
„Und ich seh' den schiefen Turm von Pisa!“ Sie klettern weiter.
„Siehst du da ganz hinten die chinesische Mauer?“, fragt Susi.
„Ja, toll“, sagt Felix, „die ist ja unendlich lang!“
Doch plötzlich werden die Farben des Regenbogens schwächer. „Felix, ich glaube, der Regenbogen verschwindet bald! Wir müssen ganz schnell zurück, sonst stürzen wir ab!“
Und so rutschen sie ganz fix wieder runter bis zur Wiese und laufen nach Hause.
„Wo seid ihr denn gewesen?“, fragt Mama.
„Och“, meint Susi, „wir haben uns nur mal kurz die Welt von oben angeschaut.“
© Matthias Hoppe (2010)