Wenn die Sonne baden geht

Es war ein heißer Sommertag. Alle Welt schwitzte: die Menschen, die Tiere, die Pflanzen. Michael machte seine Hausaufgaben - und schwitzte.Das Eichhörnchen suchte nach Nüssen - und schwitzte. Ein Apfelbaum stand einsam auf der Wiese - und schwitzte.

 

Und noch jemand schwitzte: die Sonne. "Mir ist so heiß", stöhnte sie. "Warum ist mir bloß so heiß?" In der Ferne blinkte der Mond. Er war der Einzige, der keine Schweißtropfen auf der Stirn hatte. "Warum gehst du nicht baden?", rief er zur Sonne hinüber. "Dann wird dir kühler."

Die Sonne überlegte. Baden gehen? Wo sollte sie denn baden? Da rief der Mond noch mal: "Jeder geht doch baden, wenn ihm zu heiß ist."

 

Michael badete im Schwimmbad. Das Eichhörnchen badete in einem Bach. Nur der Apfelbaum badete noch nicht. Er wartete auf den nächsten Regen.

 

"Wo soll ich denn baden?", rief die Sonne zum Mond hinüber. "Ist doch ganz einfach", meinte der Mond: "in der Milchstraße!" Die Sonne blickte ungläubig: "In der Milchstraße? Ich soll in Milch baden?"

"Ja, klar", lachte der Mond, "aber du musst warten, bis es dunkel ist."

Die Sonne schwitzte immer noch. „Ich will aber nicht bis zum Abend warten!“, rief sie. „Und außerdem muss ich mich zum Baden noch umziehen. Aber ich will nicht, dass alle zuschauen." "Kein Problem", sagte der Mond, "ich stelle mich vor dich." Und er kam näher.

 

Die Leute auf der Erde wunderten sich sehr, als die Sonne plötzlich verschwand und es fast ganz dunkel wurde. So etwas hatte es noch nie gegeben, denn es war noch lange nicht Abend. Sie schauten zum Himmel und nannten es Sonnenfinsternis.

 

Der Mond ging erst wieder weg, als es dann wirklich ganz dunkel wurde. "So, jetzt kannst du baden gehen", rief er.

Die Sonne war zuerst noch ein bisschen schüchtern, sprang dann aber voller Lust in die Milchstraße. Die Milch war angenehm kühl und erfrischend. Die Sonne fühlte sich so wohl, dass sie anfing, herum zu toben und mit der Milch zu spritzen. Ein paar Spritzer fielen über den Rand der Milchstraße und landeten auf der Erde.

 

In dieser Nacht konnten einige Leute nicht schlafen. Auch Michael stand am Fenster und schaute in den schwarzen Himmel. Plötzlich sauste etwas ganz Helles durch die Nacht. Es war wie eine silberne Kugel mit einem langen und breiten Schwanz. Und noch eine und noch eine. Der Himmel war voll von diesen sausenden Blitzen. Die Menschen wunderten sich schon wieder und nannten diese Himmelswunder Sternschnuppen.

 

Nur die Sonne und der Mond wissen, was in dieser Nacht passiert ist. Und die Bewohner der Milchstraße. Und du. Aber nicht verraten!

 

© Matthias Hoppe

Diese Geschichte ist von Matthias Hoppe

Die Hoppe-Geschichten werden von dem Autor Matthias Hoppe aus Neuburg a.d. Donau geschrieben. >> mehr über Matthias Hoppe

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