Kids & Teens

Der Zwerg und die Riesin von Big Brain

Die Texte von Matthias Hoppe erscheinen in Schwarz, die von Big Brain in Orange.

 

 

Kapitel I: Eine gute oder böse Riesin?

Es war einmal ein Zwerg. Der lebte einsam in einer kleinen Höhle im Wald. Er hatte keine Freunde. Der Zwerg war nämlich nur so groß wie ein Spazierstock. Er wünschte sich immer, dass mal eine Zwergin vorbeikommen würde, mit der er sich anfreunden könnte. Aber es kam keine. Abends saß er in seiner Höhle und machte Musik. Er hatte aus einem  Schilfrohr eine Flöte geschnitzt und spielte darauf seine liebsten Zwergenlieder.
Eines Morgens, kurz nach dem Aufwachen, wurde es plötzlich dunkel vor seiner Höhle.  Der Zwerg blinzelte hinaus und sah direkt vor dem Eingang der Höhle einen riesigen Schuh mit Beinen dran. Er schaute noch weiter hinauf: Die Beine steckten in einem Rock, und über dem Rock gab es eine Bluse mit riesigen Armen. Und über der Bluse schaute ein freundliches Frauengesicht zu ihm herunter.
'Eine Riesin!', erschrak der Zwerg. 'Die ist ja mindestens zehn Meter groß!' Er hatte ein bisschen Angst und fragte leise: „Bist du eine gute oder eine böse Riesin?“
„Das verrate ich nicht“, sagte die Riesin und zwinkerte mit den Augen, „das musst du schon selbst herausfinden!“ 

Und er meckerte erst einmal, dass dieser extrem behämmerte W-LAN-Router mal wieder kein Signal abgab. Deshalb fühlte er sich von der restlichen Welt abgeschnitten, weil er seine ,,Whapfapp"(Whats App)-Nachrichten nicht checken konnte. Also konnte er nicht mit der Riesin ,,Pfätten"(Chatten). Jetzt erzählte er der Riesin einen Witz:,,Preffen wif eim Rawemmäher umb, eim Faf. Wap baf Faf:,,määääääähhhhhhhhhhh"

Die Riesin hatte den Witz vom Rasenmäher und dem Schaf verstanden und grinste. Aber sie wollte sich auf die komische Sprache des Zwergen nicht einlassen. „Also gut“, sagte sie, „was du kannst, das kann ich schon lange. Aber ich rede normal. Pass auf: Stehen zwei Kühe auf der Weide. Sagt die eine: 'Muh!' Sagt die andere: 'Oooch Mensch, du bist gemein. Das wollte ich auch gerade sagen!'“ Da musste der Zwerg lachen. Aber dann meinte er: „Sollen wir uns jetzt die ganze Zeit nur Witze erzählen? Das wird bestimmt irgendwann öde.“ Die Riesin blickte zum Zwerg hinunter und fragte: „Wolltest du nicht herausfinden, ob ich eine gute oder böse Riesin bin?“

„Nein, ich denke nicht, dass du böse bist, denn sonst hättest du mir schon längst einen "Kackhaufen-Emoji" geschickt ! Außerdem würdest du mich dann nicht so nett anlächeln. Und selbst wenn, dann lass mir bitte 10 Sekunden Zeit, um deinen Chat zu löschen. Also, ich muss jetzt meinen Smartstein aufladen, der Akku ist nämlich nur noch auf 4% ! Also, wollen wir uns dann später noch treffen?" Die Riesin musste sehr schnell antworten, da der Zwerg sein Ladekabel nicht dabei hatte. Plötzlich kam mit dem letzten Prozent Akku noch eine Nachricht rein: "Okay, dann treffen wir uns aber am großen Weiher, da hinter der Pilzstraße". Und so saß der Zwerg auf einem Stein nah beim Weiher und wartete. Er vertrieb sich die Zeit damit, Steine übers Wasser springen zu lassen, und fand dabei sein Ladekabel neben einem großen Strauch. Nach den ersten 27% kam dann endlich die Riesin.

 

 

Kapitel II: Quizfragen

Sie setzte sich neben den Zwerg und meinte: „Du kannst mir ja Fragen stellen, um herauszufinden, ob ich gut oder böse bin. Du hast insgesamt drei Fragen.“ Der Zwerg überlegte. Dann sagte er: „Also gut, hier ist die erste Frage: Stell dir vor, du gehst im Wald spazieren, und plötzlich springen hinter einem Gebüsch zwei Männer hervor. Der eine ist hässlich, der andere hübsch. Sie wollen dich überfallen. Du hast eine Steinschleuder, aber nur einen einzigen Stein. Wen würdest du abschießen? Den Hübschen oder den Hässlichen?“ Die Riesin lachte: „Na, du hast ja Ideen! Lass mich kurz überlegen. Also, pass auf: Ich würde keinen von beiden abschießen. Denn es steht schon in der Bibel: Du sollst nicht töten. Statt dessen würde ich wegrennen. Als Riesin bin ich ja zehnmal schneller als normale Menschen. Die könnten mich nie einholen. Bist du damit zufrieden?“ Der Zwerg dachte: 'Naja, das war schon nicht schlecht. Vielleicht ist sie ja wirklich eine gute Riesin. Aber ich bin mir noch nicht sicher. Möglicherweise verstellt sie sich.' Die Riesin drängelte ein bisschen: „Los, jetzt deine zweite Frage!“  

„Meine zweite Frage lautet: "Also, wenn jemand seinen Smartstein verlieren würde, und du ihn finden würdest, was würdest du dann tun?" Da sagte die Riesin: "Ich würde ihn zum Fundbüro in der alten Eiche bringen." - "Das ist eine sehr gute Antwort!", sagte der Zwerg, "Nun aber zu meiner dritten Frage: Wenn ich ertrinken würde, und sehr viel Geld auf meinem Rücken wäre, würdest du mich dann wegen des Geldes oder meinetwegen aus dem Wasser holen?" Die Riesin überlegte kurz, antwortete aber dann: "Natürlich wegen dir! Du bist viel wichtiger als alles Geld der Welt" Der Zwerg bekam blitzschnell ein fröhliches Gesicht ! "Das sind ja tolle Nachrichten! Jetzt weiß ich zu 100%, dass du nett bist !", sagte er erleichtert. Und plötzlich fiel ein überdimensionales Paket aus der nächstgelegenen Buche und landete sanft mit einem Miniaturfallschirm extrem genau auf dem Smartstein des Zwerges. "Mist, verloren!", schrie der Zwerg, der gerade auf diesem ein Spiel spielte.

 

 

Kapitel III: Die zwei Studenten

„Oh, ist dein Smartstein jetzt kaputt?“, fragte die Riesin. Der Zwerg untersuchte das Teil: Nein, es hatte zum Glück nur ein paar Kratzer abbekommen. Aber was war in dem riesigen Paket, das aus dem Baum gefallen war? Gemeinsam öffneten sie es und entdeckten darin – einen Fotoapparat, ein Paar Siebenmeilenstiefel und ein Paar winzige Turnschuhe. „Oh, die Siebenmeilenstiefel sind bestimmt für mich“, sagte die Riesin, „ich hab ja so große Füße. Die Stiefel passen mir bestimmt. Und die kleinen Turnschuhe sind für dich.“ - „Aber mich interessiert zuerst mal der Fotoapparat“, meinte der Zwerg und nahm ihn in die Hand. „Das ist eine Digitalkamera. Toll! Damit können wir uns gegenseitig fotografieren und uns die Fotos sofort anschauen. Stell dich mal da vorne an den Baum.“ Die Riesin stellte sich also an den nächsten Baum, der Zwerg zückte die Kamera und drückte auf den Auslöser. Es machte „Klick“ und der Zwerg zeigte ihr das Foto. Sie erschrak. „Hey“, rief sie, „was hast du denn da fotografiert? Das bin doch nicht ich!“ Der Zwerg schaute sich das Foto an: Darauf war nicht die Riesin zu sehen, sondern ein Krokodil, und zwar ein rotes!

„Wie kann denn so etwas passieren? Gibt es das wirklich oder war das nur die Bildbearbeitung?“, fragte die Riesin. „Schau doch mal!“, sagte der Zwerg verblüfft, „da ist ein Programm eingeblendet! Tschüss, Riesin ich muss noch für meine Klausur lernen!“  -  „Warte mal, du bist auch Student?“, sagte die Riesin verwundert, „das ist ja toll!“ So beschlossen beide, nach Hause zu gehen und ihr restliches Gespräch über WhatsApp klarzumachen. Plötzlich kam eine Nachricht: [„Was ist eigentlich mit deinem Sprachfehler?“] Am nächsten Morgen trafen sich die beiden in der Birkenuni. „Was machst denn du hier?“, sagten die beiden verwundert.

„Ich studiere Muttunetik“, sagte der Zwerg. Die Riesin blickte fragend: „Was ist das denn? Muttunetik? Hab ich noch nie gehört.“ Der Zwerg erklärte es ihr: „Muttunetik ist die Wissenschaft von all den Dingen, die man tun muss. Also, man muss essen, trinken, sich anziehen, sich waschen, Zähne putzen, kämmen und so weiter. Muttu alles machen. Verstehst du? Muttu! Deshalb heißt es Muttunetik.“ - „Das ist ja witzig. Und was willst du später mal werden?“ Der Zwerg lachte: „Ist doch klar: Muttunetiker! Und du, was studierst du?“ - „Ich studiere Müllerei, schon im fünften Semester.“ - „Müllerei?“, fragte der Zwerg, „hat das mit einem Müller und Mehl mahlen zu tun?“ - „Nein“, sagte die Riesin, „mit Müll. Und zwar, wie man aus Müll Lebensmittel macht.“ Der Zwerg blickte ungläubig: „Und das geht wirklich? Lebensmittel aus Müll?“ - „Ja“, sagte die Riesin, „wenn man die richtigen Tricks anwendet.“ Der Zwerg wollte das nicht glauben: „Also, das will ich sehen! Ich komme nach der Uni zu dir nach Hause, bringe meinen Müll mit und dann musst du mir das zeigen!“

 

 

Kapitel IV: Berlinerisch, Bayerisch und Sächsisch

Nach ein paar Stunden klopfte es aber an der Tür des Zwergs: „Hallo, bist du da?“ - „Ja, aber klopf nicht so stark an die Tür!“, rief der Zwerg, „ich komm gleich raus! Meine Nachbarn sind auch Riesen. Die haben schon mindestens 200-mal die Tür eingehauen!“ Der Zwerg kam heraus und schloss behutsam die Tür hinter sich ab. Die Riesin fragte ihn, ob er schon viel für die 200 Türen gezahlt habe. „Ja, sehr viel!“, nuschelte er. Er schloss noch mal auf, ging hinein und holte die Rechnung. „Schau, das ist sie, die 200-seitige Rechnung. Für jede Türe eine Seite. Aber jetzt wäre es nett, wenn du mir zeigen würdest, wie das mit dem Müll funktioniert!“ Der Zwerg drückte ihr ein paar leere Dosen und Bananenschalen in die Hand. „Los, fang an!“, sagte er ungeduldig. „Okay, schau gut zu.“ Sie drehte den Abfall ein paarmal herum, schlug alles zusammen und schon war der Bananen-Magnesium-Riegel fertig! „Willst du das auch mal probieren? Das schmeckt total gut!“, schmatzte sie und hatte leckeren Bananengeschmack im Mund. Am nächsten Tag gingen sie zusammen zur Uni und trafen sowohl den Bayerischen, als auch den Berlinerischen Direktor, deren Dialekt immer sehr schwer zu verstehen war.

Der bayerische Direktor hatte die beiden noch nie gesehen und wunderte sich, wie eine Riesin mit einem Zwerg befreundet sein konnte. „Wos mochts'n ihr do? Studiert's ihr do bei uns? Und wos?“ Die beiden nickten und der Zwerg sagte stolz: „Meine Freundin studiert Müllerei und ich Muttunetik.“ Jetzt mischte sich der berlinerische Direktor ein: „Det is ja'n Ding! Weeßte“, und damit stupste er seinen bayerischen Kollegen von der Seite an, „weeßte, Muttunetik hab ick ooch studiert, damals, als ick noch'n Steppke war. Det is een super Fach!“ Der bayerische Direktor wollte ein bisschen angeben und meinte: „Und i hob des Dings do studiert, woaßt scho, des Dings halt, äähhm, na... Ah, jetzt woaß i's wieder: Lachulistik!“ - „Wat is dat denn?“, wollte der berlinerische Direktor wissen, „det jab's damals bei uns nich.“ Der Bayer grinste: „Des kennst net? Lachulistik is des Griabigste übahapts! Do musst alles lerna, wias d'Leit zum Locha bringst.“ - „Das ist ja witzig!“, meinte die Riesin, so etwas gibt’s? Aber ich glaube, jetzt müssen wir in unsere Vorlesungen.“

Sie gingen langsam in den Lehrsaal und riefen den Direktoren noch zu: „Servus und Tschüss!“ Als sie den Raum betraten, brüllte der Professor: „Jetzt kommt doch endlich! Die Vorlesung hat scho längst begonna! Güddn Doch, isch wär der neue Lehrer. Isch unterrischte Muddunedisch und Müllerei!“, sagte der sächsische Professor. 20 Minuten später war die unverständliche Vorlesung vorbei.  Als der Zwerg und die Riesin das Zimmer verließen, bemerkten sie, dass die Hälfte der Klasse auf ihren Bänken eingepennt war. Sie schlichen aus dem Zimmer, weil sie die Schüler nicht aufwecken wollten. Zusammen gingen sie dann in die Mittagspause und holten sich einmal in Miniversion und einmal in Maxiversion einen Schweinebraten mit Knödel, Blaukraut und Bratensoße. Als sie das leckere Essen verspeist hatten, gingen sie nach Hause. Dabei ließ der Zwerg versehentlich eine Metanwolke schweben, die der Riesin ins Gesicht flog. Und am nächsten Tag bekamen sie ihre Abschlusszeugnisse (beide mit der Note 1,0). Feiernd verließen sie die Uni. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.