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Der Zwerg und die Riesin von den Suchtis

Die Texte von Matthias Hoppe erscheinen in Schwarz, die der Suchtis in Orange.

 

 

Kapitel I: Eine gute oder böse Riesin?

Es war einmal ein Zwerg. Der lebte einsam in einer kleinen Höhle im Wald. Er hatte keine Freunde. Der Zwerg war nämlich nur so groß wie ein Spazierstock. Er wünschte sich immer, dass mal eine Zwergin vorbeikommen würde, mit der er sich anfreunden könnte. Aber es kam keine. Abends saß er in seiner Höhle und machte Musik. Er hatte aus einem  Schilfrohr eine Flöte geschnitzt und spielte darauf seine liebsten Zwergenlieder.
Eines Morgens, kurz nach dem Aufwachen, wurde es plötzlich dunkel vor seiner Höhle.  Der Zwerg blinzelte hinaus und sah direkt vor dem Eingang der Höhle einen riesigen Schuh mit Beinen dran. Er schaute noch weiter hinauf: Die Beine steckten in einem Rock, und über dem Rock gab es eine Bluse mit riesigen Armen. Und über der Bluse schaute ein freundliches Frauengesicht zu ihm herunter.
'Eine Riesin!', erschrak der Zwerg. 'Die ist ja mindestens zehn Meter groß!' Er hatte ein bisschen Angst und fragte leise: „Bist du eine gute oder eine böse Riesin?“
„Das verrate ich nicht“, sagte die Riesin und zwinkerte mit den Augen, „das musst du schon selbst herausfinden!“ 

Der Zwerg machte sich auf eine Reise, auf der er herausfinden wollte, ob die Riesin gut oder böse war. Zuerst fragte er einen magischen Esel, ob er wüsste, wie die Riesin war. Der antwortete: „Ich habe keine Ahnung, aber du kannst ein Schwein auf dem Bauernhof fragen." Der Zwerg ging zum Bauernhof und fragte es. Das Schwein antwortete: „Gehe zum Greis im Verlies und sprich ihn an." Der Zwerg rannte zum Verlies und sprach den Greis an. Der sagte: „Besiege den Enderdrachen im Verlies und du wirst es wissen."

Der Zwerg schaute sich in dem Verlies um. Aber da war kein Enderdrache. „Wo soll dieser Drache sein?“, fragte er den Greis. Der deutete mit seinem Kopf auf eine Tür, die in den Boden eingelassen war. Der Zwerg hob die Tür langsam hoch und schaute in das Loch, das darunter war. Aber da war alles dunkel. „Hast du mal eine Taschenlampe?“, fragte er den Greis. Der Greis zeigte auf ein Regal an der Wand. Tatsächlich: Da lag eine Taschenlampe. Der Zwerg schnappte sie sich und leuchtete in das Loch. Was er sah, erschreckte ihn zu Tode: Da kauerte ein Drache am Boden. Und der war rot, knallrot! Als er den Zwerg sah, öffnete er sein Maul – und speite Feuer! Schnell knallte der Zwerg die Tür im Boden wieder zu. „Wie soll ich diesen Drachen denn besiegen?“, fragte er den Greis verzweifelt. Der sagte:

 

 

Kapitel II: Schwierige Kämpfe

„Da ist ein Diamantschwert und ein Kobaltschild. Nimm beide und gehe in die Höhle. Und gib acht, dass dich der Drache nicht röstet.“ Der Zwerg ging mit der Taschenlampe, viel Mut und Elan hinein. Er leuchtete dem Drachen in das Gesicht, dann sprang er auf den Kopf des Drachen, so dass der ihn nicht braten konnte. Er packte ihn an den Ohren und schnitt sie ab. Er brüllte und flambierte alle Wände, so dass Asche daran hängen blieb. Nun sah der Zwerg seine Chance, den Drachen zu töten. Er schnitt seinen Hals ab, erlegte den Enderdrachen endgültig und nahm eine Schuppe von ihm mit. Als er nach oben zur Falltür wollte, sah er den Greis; dieser half ihm hoch. Der Zwerg gab ihm die Schuppe und der Greis machte einen Trank daraus. Er sagte: „Trink das und du wirst erfahren, ob die Riesin gut oder böse ist; und du wirst auch ihren Namen erfahren." Der Zwerg trank das Gesöff und eine unsichtbare Stimme sagte:

„Und jetzt musst du drei Rätsel lösen. Erstens: Wie groß ist die Riesin? Zweitens: Wie schwer ist sie? Und drittens: Hat sie Kinder? Wenn ja, wie viele?“ Der Zwerg überlegte. Dann sagte er: „Ich schätze, sie ist ungefähr zehn Meter groß.“ - „Das war schon gut“, sagte die unsichtbare Stimme, „sie ist genau zehn Meter, dreiundzwanzig Zentimeter und fünfzehn Millimeter groß. Und wie schwer ist sie?“ Der Zwerg schaute sich die Riesin noch mal an. Er selbst wog nur 20 kg. Aber er war ja auch nur so groß wie ein Spazierstock, also ungefähr einen Meter. Er rechnete: Die Riesin war zehnmal so groß wie er. Also müsste sie auch zehnmal so viel wiegen. Und er sagte: „Ich würde sagen, sie wiegt 200 kg.“ Die unsichtbare Stimme kicherte: „Ganz knapp daneben, aber sehr gut geschätzt. Sie wiegt genau 198 kg und 512 g. So, und jetzt die dritte Frage: Hat sie Kinder?“ Jetzt war sich der Zwerg sicher: „Nein, keine Kinder.“ - „Richtig“, sagte die unsichtbare Stimme, „du hast den Test bestanden. Sie heißt Erika.“ Der Zwerg war aber noch nicht zufrieden: „Und wie finde ich jetzt heraus, ob sie gut oder böse ist?“

 

 

Kapitel III: Iworak und Megasatan

Der Greis sagte: „Mach eine epische Reise in den Dschungel. Dort wirst du ein Tagebuch über Erika finden. Doch pass auf, du wirst viele Gegner besiegen müssen, um an das Buch heran zu kommen.“ Der Zwerg ging in den Dschungel und begegnete schon dem ersten Gegner. Es war ein Schwertkoloss! Er zückte sein Diamantschwert und den Kobaldschild und stürzte sich auf den Gegner. Der Schwertkoloss schwang sein riesiges Eisenschwert und traf den Schild des Zwergs. Nach dem Schlag zerbrach der Schild. Nun sah der Zwerg seine Chance und schlug den Koloss entzwei. Er ging weiter und traf einen Iwarok, ein riesiges Steinmonster. Dabei entdeckte er ein Fass voller Bomben und…

… kroch hinein. Meine Güte, waren das viele Bomben! Damit Iwarok kein Unheil anrichten konnte, machte sich der Zwerg daran, sämtliche Zünder abzuschrauben. Nach einer Stunde hatte er alle Bomben entschärft. Vorsichtig schaute er über den Rand des Fasses, ob Iwarok noch da war. Ja, er war noch da. Aber er lag in einer Ecke – und war eingeschlafen. 'Na, noch mal Glück gehabt', dachte der Zwerg und ging weiter. Nach einer halben Stunde tauchte schon wieder ein Ungetüm auf – eine feuerspuckende, zehnarmige Riesenspinne! 'Oh, Hilfe!', dachte der Zwerg, 'gegen die habe ich, glaube ich, keine Chance. Ich habe ja keine feuerfeste Kleidung! Und einen Feuerlöscher habe ich auch nicht dabei. Aber ich will unbedingt das Tagebuch finden, damit ich weiß, ob Erika gut oder böse ist. Was mache ich bloß?' Da fing die Riesenspinne an, Feuer zu spucken.

Der Zwerg schaffte es, auszuweichen und nahm sein Schwert. Nun wollte die Riesenspinne ihr Gift auf den Zwerg schießen, doch dieser schlug mit seinem Schwert auf das flüssige Gift ein und schaffte es zu reflektieren. Plötzlich kam eine rosa Kugel und schlug auf die Spinne ein. Die Spinne konnte sich nicht mehr bewegen. Der Zwerg wollte sich bei der Kugel bedanken, aber sie war schon wieder weg. Er ging weiter zu einem Bach, entspannte sich eine Weile und trank ein wenig Bananenwasser. Warum das da stand, war ihm ein Rätsel. Dann ging er weiter zum nächsten Gegner. Es war Megasatan, der End Boss!

Und Megasatan war der Übelste überhaupt. Über ihn hatte der Zwerg schon mal etwas gelesen: Er konnte nur mit seinen Blicken töten! Wenn er jemanden mit seinem starren Blick anschaute, fiel der sofort tot um. Aber Megasatan war auch ein komischer Kauz. Im Moment saß er auf einem großen Stein und lackierte sich die Fingernägel rosa.
Zwischendurch kämmte er sich die Haare, sprühte sich Deo unter die Arme und nuckelte immer wieder an einer Babyflasche, in der wahrscheinlich Schnaps war. Er hatte den Zwerg noch nicht entdeckt. Der stand in hohem Gras und war für Megasatan nicht zu sehen. Doch wegen der Gräser musste der Zwerg plötzlich niesen. Das hörte Megasatan natürlich. Der Zwerg erschrak fürchterlich: 'Er darf mich mit seinen tödlichen Augen nicht anblicken!'

Dann fand er einen ausgehöhlten Kürbis, den er sich auf den Kopf setzte. Danach rannte er zu Megasatan hin und trat ihm in den Bauch, aber er prallte ab, weil sein Bauch riesig und schwabbelig war. Er versuchte es noch an seinem Bein und an seinem Zeh, aber all das störte den Megasatan nicht. Dann entdeckte er seine Schwachstelle an der Nase, da diese grün leuchtete. Er kletterte einen Berg hoch, sprang er auf seinen Rücken und kroch in Richtung Nase. Da fiel ihm sein Kürbis vom Kopf und er musste noch mehr aufpassen. Er sah noch im Augenwinkel, wie der Kürbis zerplatzte. Dann kletterte er weiter bis zu Megasatans Kopf und stach ihm mit seinem Schwert ins Auge. Jetzt konnte er niemanden mehr mit seinen Augen töten.

 

 

Kapitel IV: Erikas Tagebuch

Der Zwerg dachte: 'Jetzt habe ich, glaube ich, alle Feinde besiegt. Nun muss ich Erikas Tagebuch finden!' Und er kämpfte sich weiter durch den Dschungel. Dabei begegnete ihm die Schlange Morina. Sie war bunt gefleckt und sprach sogar Deutsch. Dabei lispelte sie ein bisschen. „Was machst du hier im Dschungel?“, fragte sie. „Ich suche das Tagebuch von Erika“, sagte der Zwerg, „kannst du mir helfen? Kennst du Erika?“ - „Ach, die gute Erika!“, lispelte Morina, „natürlich kenne ich sie! Und das Tagebuch? Da kann ich dir wirklich helfen. Das hat sie hier im Dschungel versteckt.“ - „Ich muss es haben!“, sagte der Zwerg. „Nur wenn ich es lese, weiß ich, ob sie eine gute oder böse Riesin ist.“ - „Na“, meinte Morina, „das könnte ich dir auch sagen. Aber lies erst mal. Siehst du da oben an dem großen Baum das Gestrüpp von Lianen? Da befindet sich ein Nest. Und darin liegt Erikas Tagebuch!“ Sofort kletterte der Zwerg den Baum hinauf zu  den Lianen. Und dort fand er tatsächlich Erikas Tagebuch!

Erika schrieb: „Eines Tages ging ich im Dschungel herum und spazierte zu meiner Freundin Morina. Sie meinte, dass es im Wald eine kleine Hütte gibt und ich nachgucken soll, wer da wohnt. Ich bin aufgebrochen und als ich da war, sprach mich ein Zwerg an und wollte wissen ob ich gut oder böse bin (natürlich wusste ich, dass ich gut bin )“ -   „Danke, Erika!“ sagte der Zwerg erleichtert und ging zu ihr. Als er bei ihr ankam, sah er, wie Erika ein Majonäse-Glas auf eine Gurke warf.

„Was machst du denn da?“, fragte der Zwerg erschrocken. Erika lachte laut: „Kennst du das nicht? Das ist ein alter Brauch bei uns Riesinnen! Das machen wir immer, wenn wir uns über etwas ganz besonders freuen!“ - „Und worüber freust du dich?“, wollte der Zwerg wissen. „Nun“, schmunzelte Erika, „ich habe geträumt, dass du mein Tagebuch gefunden hast. Stimmt das?“ Der Zwerg nickte fröhlich. Und Erika strahlte: „Toll! Dann weißt du ja jetzt, dass ich keine böse Riesin bin! Und wir könnten Freunde werden. Willst du?“ Da musste der Zwerg nicht lange überlegen. Er holte eine lange Leiter, kletterte an Erika hoch – und fiel ihr um den Hals. Und sie wurden Freunde für immer