Kids & Teens

Der verzweifelte Sandmann von Jumani

Die Texte von Matthias Hoppe erscheinen in Schwarz, die von Jumani in Orange.

 

 

Kapitel I: Wo ist der Sand?

Der Sandmann Leopold wohnt draußen vor der Stadt in einer kleinen Hütte. Wenn die Kinder abends eingeschlafen sind, macht er sich  auf den Weg.
Er kramt aus einer Schublade sein kleines, leeres Sandsäckchen hervor und steckt es in die Manteltasche. Denn er muss erst Sand holen. Und zwar auf der Baustelle am Kreisverkehr. Das hat er zumindest bisher jeden Abend so gemacht. Doch als er heute zu der Baustelle kommt, reibt er sich die Augen: Die Sandhaufen sind verschwunden.
Leopold steckt das leere Säckchen wieder in die Manteltasche und verlässt die Baustelle. Nach Hause kann er nicht gehen. Nicht, ohne vorher seine Arbeit erledigt zu haben. Er muss doch den Kindern, wenn sie schlafen, Sand in die Augen streuen! Das macht er jede Nacht. Was soll er bloß tun? Wo soll er jetzt geeigneten Sand herbekommen?

Der Sandmann grübelt: Wo könnte sein Sand hingekommen sein? Er setzt sich auf einen Stein und überlegt. Er hat eine Idee: Er könnte seinen Konkurrenten Sebastian fragen, ob er weiß, wo der Sand hingekommen ist. Sofort ruft er ihn an und fragt ihn, wo der Sand ist. Als Sebastian das hört, legt er sofort auf. Leopold fragt sich: Warum hat er denn so schnell aufgelegt?

Er versucht es bei seinem Freund Tobias. Der meint: „Such doch nach einer anderen Baustelle. Vielleicht findest du da Sand.“ Also streift Leopold durch die Stadt. Inzwischen ist es schon elf Uhr abends. Aber nirgendwo ist eine Baustelle zu sehen. Langsam wird Leopold ziemlich verzweifelt. Wonach könnte er sonst noch suchen? Vielleicht könnte er zum Fluss gehen und Sand aus dem Wasser fischen? Oder beim Baumarkt nachfragen? Aber der hat ja nachts geschlossen. Da fällt ihm etwas ein: Kindergärten haben doch meistens einen Sandkasten! Also macht er sich auf die Suche nach einem Kindergarten mit Sandkasten.

Nach einer Weile findet er einen Kindergarten mit einem großen Sandkasten und geht hinein. Zum Glück steht das Tor offen. Aber es ist nicht der richtige Sand, weil darin zu viele Steine sind. Plötzlich sieht Leopold seinen Freund Sebastian. Der beobachtet ihn. „Was tust du da?“, fragt Leopold ihn. Sebastian zuckt zusammen und stottert: „Wa-wa- was willst du von mir?“

Leopold meint: „Ich habe mich ziemlich über dich geärgert, weil du bei meinem Anruf gleich wieder aufgelegt hast. Ich wollte dich nur fragen, ob du vielleicht weißt, wo der Sand von der Baustelle geblieben ist.“ Sebastian zuckt mit den Schultern: „Keine Ahnung.“  - „Woher nimmst du denn den Sand für die Kinder?“, fragt Leopold. Sebastian lacht: „Ich nehme überhaupt keinen Sand. Ich nehme Sägespäne.“ - „Was?“, ruft Leopold. „Sägespäne? Und die streust du den Kindern in die Augen? Das ist ja abartig! Dann bist du auch kein richtiger Sandmann, sondern ein Sägespänemann!“ Und Leopold wendet sich von Sebastian ab. Im Weggehen ruft er ihm noch zu: „Und ich suche mir jetzt richtigen, feinen Sand ohne Steine!“

 

 

 

Kapitel II: Die Sanduhren

Leopold ist verzweifelt. Er hat den Verdacht, dass Sebastian ihm den Sand gestohlen hat. Spät am Abend schleicht er sich in seine Hütte. Zum Glück ist Sebastian noch nicht da. Aber den Sand findet er nicht. Wenn der Sand nicht in der Hütte ist, kann ihn nur Sebastian haben, denkt Leopold sich. Schnell entwickelt er einen Plan. Bald würde Sebastian zurückkommen. Leopold versteckt sich hinter der Hütte und wartet ab.

Nach einer Weile kommt Sebastian tatsächlich nach Hause. Leopold passt genau auf, was er macht. Sebastian geht nicht in seine Hütte, sondern zu seinem Schuppen, der daneben steht. Er schließt das Vorhängeschloss auf und öffnet den Verschlag. Leopold schleicht zu dem Schuppen und schaut durch eins der Fenster. Was macht Sebastian da drin? Das sieht aus wie eine Werkstatt. Leopold kann erkennen, dass in einer Ecke ein Sandhaufen ist. In der Mitte des Raums steht ein großer Arbeitstisch. Sebastian sieht, wie Leopold zu dem Sandhaufen geht und mit einer kleinen Schaufel etwas Sand holt. Damit geht er zum Tisch und füllt ihn in mehrere Gefäße. Leopold schaut genauer hin, was das sein könnte. Dann ist er sich sicher: Das sind Sanduhren in verschiedener Größe! Leopold befüllt Sanduhren! Mit seinem Sand! Leopold überlegt krampfhaft, wie er seinen Sand zurück kriegen könnte.

 

 

Kapitel III: Dann eben Juckpulver!

Er hat noch nicht lange überlegt, da klingelt Sebastians Telefon. Sebastian geht ins Haus. Aus Versehen lässt er die Tür von der Hütte offen. Das ist Leopolds Chance! Er rennt zur Hütte und schleicht hinein. Geschwind tauscht er seinen Sand gegen Juckpulver aus. Plötzlich hört er Schritte. Gerade noch kann Leopold aus dem Fenster springen und sich hinter einem Busch verstecken. Er beobachtet Sebastian, wie er das Juckpulver in Säckchen füllt. Auf einmal springt Sebastian hin und her und kratzt sich aus Leibeskräften. Dann rennt Leopold nach Hause und geht zu den Kindern, die schon schlafen und schenkt ihnen schöne Träume.

Aber die Nacht ist noch lange nicht vorbei und Leopold ist überhaupt nicht müde. Was könnte er noch machen? Nachdem er den Kindern schon schöne Träume geschenkt hat, könnte ja ihren Schlaf noch zusätzlich bereichern. Er überlegt. Dann steigt er auf einen Kirchturm – und pfeift ein paar Kinderlieder in die Nacht hinaus. Plötzlich hört er eine andere Pfeifstimme, die genau dasselbe pfeift. Er schaut sich um, wer das sein könnte. Da entdeckt er auf dem Dach des Kirchturms ein Eichhörnchen. Und dieser kleine Wuschel pfeift tatsächlich! Und er scheint alle Kinderlieder zu kennen! „Was bist du denn für einer?“, fragt Leopold das Eichhörnchen, „woher kannst du so gut pfeifen? Und wer hat dir die Kinderlieder beigebracht?“ Das Eichhörnchen lacht und meint:

„Meine Mama hat mir als Kind immer diese Lieder vorgepfiffen. Nun bin ich ganz allein.“ Leopold meint: „Du könntest mein Partner werden, weil ich sowieso nicht so gut pfeifen kann.“ Das Eichhörnchen will Leopold gerne helfen. Gemeinsam pfeifen sie noch eine Weile und gehen dann nach Hause. Jeden Abend machen sie es genauso. Nun haben die Kinder die besten Träume.