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Der Zwerg und die Riesin von den Sternen

Die Texte von Matthias Hoppe erscheinen in Schwarz, die von den Sternen in Orange.

 

 

Kapitel I: Eine gute oder böse Riesin?

Es war einmal ein Zwerg. Der lebte einsam in einer kleinen Höhle im Wald. Er hatte keine Freunde. Der Zwerg war nämlich nur so groß wie ein Spazierstock. Er wünschte sich immer, dass mal eine Zwergin vorbeikommen würde, mit der er sich anfreunden könnte. Aber es kam keine. Abends saß er in seiner Höhle und machte Musik. Er hatte aus einem  Schilfrohr eine Flöte geschnitzt und spielte darauf seine liebsten Zwergenlieder.
Eines Morgens, kurz nach dem Aufwachen, wurde es plötzlich dunkel vor seiner Höhle.  Der Zwerg blinzelte hinaus und sah direkt vor dem Eingang der Höhle einen riesigen Schuh mit Beinen dran. Er schaute noch weiter hinauf: Die Beine steckten in einem Rock, und über dem Rock gab es eine Bluse mit riesigen Armen. Und über der Bluse schaute ein freundliches Frauengesicht zu ihm herunter.
'Eine Riesin!', erschrak der Zwerg. 'Die ist ja mindestens zehn Meter groß!' Er hatte ein bisschen Angst und fragte leise: „Bist du eine gute oder eine böse Riesin?“
„Das verrate ich nicht“, sagte die Riesin und zwinkerte mit den Augen, „das musst du schon selbst herausfinden!“ 

„Wie heißt du denn?“, fragte er neugierig, „also, ich heiße Franz, und du?“ - „Wenn du wirklich meinen Namen wissen willst, dann musst du ein Rätsel lösen!“ Der Zwerg hörte gespannt zu und fing an nachzudenken. 

Das Rätsel lautete nämlich: „Weißt du, lieber Zwerg, warum ich elf Finger habe?“ Der Zwerg schaute sich die Hände der Riesin an und zählte nach. Er zählte sogar zweimal: Die Riesin hatte nur zehn Finger, so wie jeder. 'Aber warum sagt sie dann, sie hätte elf Finger?', grübelte der Zwerg, 'da muss es irgend einen Trick geben.' Und er grübelte weiter. Plötzlich hatte er einen Geistesblitz. 'Ich hab's! Sie zählt falsch!' Und er stellte sich vor der Riesin auf, streckte seine Hände nach vorne und sagte: „Ich habe auch elf Finger! Pass auf! Ich zähle mal rückwärts.“ Und dabei zeigte er mit seinem rechten Zeigefinger auf die fünf Finger seiner linken Hand: „Also: zehn, neun, acht, sieben, sechs. Alles klar? Meine linke Hand hat also sechs Finger. Und meine rechte Hand hat fünf. Sechs und fünf ist elf. Ich hab dich erwischt! Jeder hat elf Finger, wenn er so bescheuert zählt! Jetzt will ich aber deinen Namen wissen! Und vor allem will ich endlich wissen, ob du eine gute oder böse Riesin bist!“ Die Riesin grinste und sagte:

„Du hast mein Rätsel gelöst, also sage ich es dir . Also, hmmm, ich heiße E-l-l-a und bin eine gute Riesin.“  Der Zwerg, der Franz hieß, fragte: „Hast du vielleicht Hunger ? Wenn ja, könnten wir in den Wald gehen, um Beeren zu sammeln.“ -  „Ja, okay“, antwortete die Riesin. Sie machten sich auf den Weg . „Oh“, sagte Ella, „da sind viele Beeren. Was ist das denn für eine?“ Franz dachte nach und antwortet schließlich: „Das ist eine rote Pupsbeere. Wenn man die isst, hat man eine Woche lang Blähungen. Also iss sie lieber nicht.“

 

 

Kapitel II: Die komischen Beeren

Eine Woche lang pupsen? Nein, dazu hatte Ella keine Lust. Also suchten sie nach anderen Beeren. „Hier!“, rief Franz plötzlich, „weißt du, was das für eine ist? Die kenne ich nicht.“ Und er hielt ihr eine runde, knallgelbe Beere unter die Nase, ungefähr so groß wie eine Erdbeere. „Nein, die kenne ich auch nicht“, sagte Ella, „aber probier doch mal. Vielleicht schmeckt sie dir ja.“ Franz steckte sie in den Mund und kaute darauf. „Hmmm, schön süß“, sagte er und wollte schon die nächste gelbe Beere pflücken. Doch plötzlich machte er „Hicks“ und gleich noch mal „Hicks“. Wieder und wieder. Er konnte gar nicht aufhören. „Du hast ja einen Schluckauf!“, meinte Ella. „Woher hast du den denn?“ - „Ich glaube, hicks, das war, hicks, die Beere, hicks.“ - „Das ist ja furchtbar“, sagte Ella, „halt mal die Luft an!“ Aber das half nichts, Franz hickste immer weiter. „Kannst du, hicks, mir, hicks, helfen?“ flehte Franz Ella an. Die überlegte.  

Sie gingen zum Fluss, der ein paar Meter weiter entfernt war. Dort angekommen, sagte Ella, dass er viel Wasser trinken solle. Während Franz trank, sah Ella eine wunderschöne türkise Beere mit einem lila Strich in der Mitte. In diesem Moment sprang Franz vor Freude auf und schrie: „ Das Wasser hat geholfen, es ist weg! Hicks, hicks, oh nein, es hat, hicks, doch nichts gebracht! Ella, holst du mir bitte, hicks, hellblaue Beeren mit, hicks, einem lila Streifen in der Mitte?“ Sofort machte sich Ella auf den Weg. Nach ein paar Minuten fand sie eine wunderschöne Beere und dachte, dass es die Beere sei, die Franz meinte. Die war so schön, dass Ella einfach nicht widerstehen konnte und hinein biss.

Aber auch diese Beere war nicht normal. Denn kaum hatte Ella sie herunter geschluckt, fing sie plötzlich an zu – rülpsen! „Was ist, rülps, das denn?“, rief sie erschrocken und rülpste schon wieder. „Das war, hicks, glaube ich, hicks, die Beere, hicks, die du, hicks, gegessen hast“, sagte Franz. „Das ist ja, rülps, furchtbar, rülps, was machen wir denn jetzt, rülps?“, stammelte Ella und war ganz unglücklich. „Jedenfalls, hicks, sind wir jetzt ein, hicks, einmaliges Pärchen, hicks“, meinte Franz und musste grinsen. Aber in Wirklichkeit fand er das Ganze überhaupt nicht lustig. Das durfte kein Dauerzustand sein. Und er überlegte, was man dagegen tun könne. Auch Ella dachte angestrengt nach.

 

 

Kapitel III: Die Kräutertherapie

„Hmmm, Franz, hast du vielleicht irgendwelche Kräuter bei dir zu Hause?“  - „Ja, hicks, wir können ja mal nachschauen, hicks.“ Gleich darauf gingen sie los. Dort angekommen, wühlte Franz in seiner Kräuterkiste herum. Ella wartete hoffnungsvoll vor der Haustür auf Franz.

Nach einer Weile kam Franz wieder heraus und hatte ein Büschel Kräuter in der Hand. „Probier das mal, hicks, vielleicht hilft es, hicks.“ - „Was, rülps, ist das denn für ein Kraut?“ - „Das, hicks, ist Brasilikum.“ Ella schaute ihn erstaunt an: „Brasilikum, rülps? Kommt das, rülps, aus Brasilien?“ Franz lachte: „Ich hab, hicks, Spaß gemacht. Das ist natürlich, hicks, das Gewürz Basilikum.“ Ella zupfte sich etwas von den Stängeln ab, steckte es in den Mund, kaute darauf und schluckte es runter. Nach einer Minute sagte sie: „Also, so besonders hat es nicht geschmeckt. War etwas bitter.“ - „Hey, hicks, du hast gar nicht mehr gerülpst, hicks!“ - „Tatsächlich“, jubelte Ella, „das Brasilikum hat geholfen. Jetzt müssen wir nur noch etwas gegen deinen Schluckauf finden.“ …

Er ging wieder ins Haus und suchte nach einen anderen Heilkraut. „Aha! Hicks, da ist es ja“, schrie er vor Freude und kam glücklich mit einer rosa schimmernden Pflanze heraus. Ella wartete schon sehr gespannt vor der Haustür. Franz aß das Heilkraut im Ganzen auf. Er zitterte und plötzlich waren seine Beine zehnmal länger, sein Kopf war um ein Vielfaches größer als normalerweise. „Was ist denn mit dir passiert?“ fragte Ella erschrocken. Denn er wurde so groß wie Ella. Im selben Moment verliebten sich die beiden unsterblich ineinander und so planten sie ihre wunderschöne Hochzeit.

 

 

Kapitel IV: Luna

Es wurde ein rauschendes Fest mit vielen Gästen. Franz zog bei Ella ein, weil seine Höhle jetzt natürlich viel zu klein für ihn war. Nach neun Monaten bekamen sie ein Baby – ein Mädchen. Sie überlegten, wie sie es nennen sollten. „Vielleicht Franzi?“, schlug Ella vor, „dann hätte sie in ihrem Namen etwas von dir!“ - „Und was ist mit dir?“, fragte Franz, „von dir hätte sie dann aber nichts. Nein, wenn überhaupt, dann sollte sie etwas von uns beiden haben. Also, da fällt mir „Frella“ ein. Da ist von uns beiden etwas drin.“ Ella protestierte: „Frella? Aber das ist doch kein Name! In der Schule würden sich alle über sie lustig machen. Nein, das geht nicht. Das sollten wir unserem Kind nicht antun. Wir sollten einen ganz normalen, hübschen Mädchennamen wählen.“ Und sie blätterten in einem Vornamenbuch.

Da fand Ella den perfekten Namen: „Sie soll Luna heißen. Das ist ein wunderschöner Name: Luna Beerenstock, unsere Tochter.“ Sie freuten sich sehr über ihre kleine Prinzessin. Nach kurzer Zeit brachte Luna sogar schon ihren ersten Satz heraus: „Mama, Papa, ich hab euch LIEB.“ Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.