Kids & Teens

Die Bärenversammlung von Adidas

Die Texte von Matthias Hoppe erscheinen in Schwarz, die der Gruppe Adidas in Orange.

 

 

Kapitel I: Einen Bären aufbinden

Einmal im Jahr treffen sich die Bären zu einer großen Versammlung. Sie sprechen darüber, wie es ihnen geht oder wie es ihnen nicht geht. Oder sie erzählen sich, wie man jemandem einen Bären aufbinden kann, also jemanden scherzhaft anlügt und etwas Unwahres erzählt. Wenn sie bei der Versammlung einen Bärenhunger haben, essen sie Bärlauch. Das sind Blätter, die nach Knoblauch riechen.
Zu dieser Bärenversammlung kommen alle möglichen Bären, also die Braunbären, die Schwarzbären, die Grizzlybären, die Eisbären. Und es gibt sogar Brillenbären, Lippenbären, Kragenbären, Sonnenbären, Waschbären und Nasenbären.
Aber in diesem Jahr ist alles anders. Denn diesmal kommen alle möglichen komischen Bären dazu, die bisher nicht dabei gewesen waren.
Als der Oberbär die Versammlung eröffnet, begrüßt er die ungewöhnlichen neuen Bären. Es ist ein Himbär, ein Blaubär, ein Erdbär, ein Stachelbär, ein Brombär, ein Preiselbär, ein Heidelbär, ein Johannisbär, ein Maulbär und ein Gummibärchen.
„Willkommen“, sagt der Oberbär, „wir haben heute neue Freunde bekommen. Das finde ich toll. Unsere Familie wird immer größer. Wir wollen darüber beraten, wie man jemandem einen Bären aufbinden kann. Wer hat eine Idee?“
Als erstes meldet sich der Stachelbär: 

„Wir könnten die Menschen zum Beispiel erschrecken, indem der Erdbär sich als Erdbeere darstellt. Und wenn die Menschen ihn dann essen wollen, ...

… dann haben sie Erde zwischen den Zähnen. Das wäre doch lustig!“ Der Oberbär schaut in die Runde und fragt: „Gibt's noch andere Ideen?“ Der Preiselbär meldet sich: „Ich weiß, wie man Leuten einen ganz gemeinen Bären aufbinden könnte. Wir schreiben einen Brief, auf dem steht, dass sie eine Million Euro im Lotto gewonnen haben. Den Brief werfen wir dann bei denen in den Briefkasten. Und wenn sie zur Lottostelle gehen, um ihren Gewinn abzuholen, stellen sie fest, dass alles geschwindelt war.“ Da müssen alle Bären lachen. Der Oberbär meint: „Das war schon nicht schlecht. Aber es gibt doch bestimmt noch viel mehr Möglichkeiten, einem einen Bären aufzubinden!“

Da meldet sich der kleine Eisbär und meint: „Wir dürfen uns aber nicht erwischen lassen, dass wir lebendig sind. Denn wir sind ja aus der Sicht der Menschen nur Kuscheltiere.“ - „Habt ihr noch mehr Ideen, dann sagt mir bitte Bescheid, denn wir müssen die Versammlung bald schließen", ruft der Oberbär in die Menge.

 

 

Kapitel II: Die Schule brennt?

Der Braunbär meldet sich: „Ich habe eine super Idee. Aber die verrate ich nicht, sondern ich werde sie selbst sofort in die Tat umsetzen.“ Er schnappt sich einen Zettel, kritzelt etwas darauf und verschwindet. Sein Weg führt ihn in die Stadt. Es ist schon dunkel, deshalb kann niemand ihn erkennen. Er läuft zum Haus der Familie Müller und wirft den Zettel in den Briefkasten. - Als Frau Müller am nächsten Morgen zum Briefkasten geht, entdeckt sie darin den Zettel. Darauf steht: „Heute ist kein Unterricht, weil in der Nacht die Schule abgebrannt ist.“ 'Komisch', denkt Frau Müller, 'davon war gar nichts im Radio. Und Feuerwehren habe ich in der Nacht auch nicht gehört. Das müssen wir überprüfen.' Und zusammen mit ihrem Sohn Tobi macht sie sich auf den Weg zur Schule.  

Tobi hat sich schon so gefreut, dass er keine Schule hat , aber seine Mutter ist da  anderer  Meinung. „Tobias, wir werden trotzdem nachsehen. Du kennst doch den Nachbarsjungen Lukas, der sich immer Scherze erlaubt !“  - 'Da hat meine Mutter wohl auch wieder recht', denkt er sich. Das rote, quietschende Auto seiner Mama kommt an der Schule an. „Das ist ja lächerlich“, schreit sie im Auto rum, so dass Tobias die Ohren weh tun. Tobi stapft wütend aus dem Auto und flucht vor sich hin. Missmutig denkt er sich: 'Das wird Lukas noch Leid tun!' - ohne zu wissen das es ein “Bär“ war. Nach der Schule klingelt er stürmisch bei Lukas an der Haustür: „Mach schon auf, du Feigling!“. Da kommt Lukas: „Bist du noch ganz dicht? Verschwinde sofort, ich habe nichts gemacht! Und wer traut sich, mich Feigling zu nennen?“ - „Ich habe mich so gefreut, dass ich keine Schule habe!“

Der Braunbär hat alles beobachtet und lacht sich ins Fäustchen. Da ist ihm wirklich ein toller Streich gelungen. Er geht zurück zur Bärenversammlung und erzählt kichernd, wie er Tobi diesen Bären aufgebunden hat. Der Oberbär meint: „Das hätte aber auch schief gehen können. Stell dir mal vor, Tobis Mutter wäre nicht mit ihm zur Schule gefahren, sondern hätte geglaubt, dass die Schule wirklich abgebrannt ist. Dann hätte Tobi einen ganzen Schultag verpasst.“ - „Naja,“ schmunzelt der Braunbär, „wegen eines einzigen ausgefallenen Tages wäre er bestimmt nicht sitzengeblieben. Den Unterrichtsstoff hätte er ja nachholen können. Ich fand's aber lustig.“ Der Oberbär schaut in die Runde: „So, Leute, jetzt überlegt mal weiter, welche Möglichkeiten es noch gibt, anderen einen Bären aufzubinden. Aber nichts Gemeines!“

 

 

Kapitel III: Ein beleidigter Braunbär

Der Braunbär geht mit schlechter Laune nach Hause, weil der Oberbär so gemein zu ihm war. Er hatte sich doch so viel Mühe gegeben! 'Denen werde ich es noch zeigen, wo es lang geht, so eine Frechheit! Niemand hat auch nur ein bisschen gelacht!!!', denkt er sich mit Hintergedanken im Kopf. Am nächsten Tag hat er schon alles für seinen geplanten Streich vorbereitet. In seinen Rucksack hat er Eier und ein Seil gepackt. Dann macht er sich auf den Weg und setzt sich ganz oben auf den Baum neben dem Bärenversammlungshaus. Dann schmeißt er sämtliche Eier durch das offene Fenster  zu den Bären hinein. „Also, so etwas gibt’s ja nicht!“, „So eine Gemeinheit!“, „Arrrg, wie eklig!“, schreien alle Bären durcheinander.

Und sie überlegen, wie sie es dem Braunbären heimzahlen könnten. Als der wieder bei der Bärenversammlung erscheint, sagt der Oberbär scheinheilig zu ihm: „Also, wir haben noch mal über deinen Streich wegen der angeblich abgebrannten Schule nachgedacht. Eigentlich war das ja gar keine schlechte Idee. Und niemand ist zu Schaden gekommen. Deshalb sollst du einen kleinen Preis bekommen: zwei frische Forellen, gerade erst gefangen. Du magst doch Forellen. Die hängen da oben im Baum. Wenn du an diesem Seil ziehst, fallen sie herunter. Und wenn du sie mit dem Maul auffängst, gehören sie dir.“ Das lässt sich der Braunbär nicht zweimal sagen: Hmm, zwei leckere Forellen! Er zieht an dem Seil – und ein riesiger Wasserschwall ergießt sich über ihn. Denn oben im Baum sind keine Forellen, sondern ein großer Wassereimer. Der Braunbär schüttelt sich und ist beleidigt. „So, Leute“, sagt der Oberbär, „jetzt lasst uns aber wieder ernst sein. Wer hat noch eine Idee, anderen einen Bären aufzubinden?“

 

 

Kapitel IV: Die Schatztruhe

Da meint der Erdbär: „Ich weiß etwas: Wir könnten uns ja rein bärkologische Schokomünzen besorgen und dann könnte uns der Baubär noch eine Schatztruhe bauen, in die wir die Münzen füllen. Die Schatztruhe vergraben wir,dann könnte uns der Malbär noch eine Schatzkarte malen, die wir dann in den Briefkasten werfen“.  - „Das ist eine gute Idee,“ antwortet der Oberbär. Zur gleichen Zeit fordert der Chef den Erdbär auf, die Schokomünzen zu besorgen. Der Baubär soll die Schatzkiste bauen und der Malbär die Schatzkarte zeichnen. So besorgen, bauen und zeichnen sie die angeforderten Sachen. Als sie fertig sind, gehen sie erst mal nach Hause, um sich auszuruhen. Am nächsten Tag hätten sie dann alle Zeit der Welt. 

Sie schnappen sich die Schatztruhe mit den bärkologischen Schokomünzen und suchen nach einem geeigneten Platz, wo sie sie vergraben oder verstecken könnten. „Vielleicht unter einem Baum?“, fragt der Erdbär. „Ach nee“, sagt der Oberbär, „das ist zu einfach. Wir müssen es schwieriger machen.“ - „Oder unter einem Auto?“ - „Auch zu einfach!“ Sie gehen weiter. Plötzlich entdecken sie am Straßenrand eine große Mülltonne. „Das ist ein super Versteck!“, ruft der Maulbär, „da sucht niemand so schnell, auch nicht mit der Schatzkarte.“ Also verstecken sie die Schatztruhe in der Mülltonne. Als nächstes aktualisiert der Malbär die Schatzkarte und zeichnet noch ein paar Irrwege ein. Dann laufen sie in die Rosenstraße. Bei der Hausnummer 39 zückt der Malbär die Schatzkarte – und wirft sie in den Briefkasten von Familie Schmirgelstein.

Die Zwillinge Max und Mia Schmirgelstein laufen an die Tür, weil es geklingelt hat. Da ist aber nichts. Dann kommen sie auf die Idee, dass das wahrscheinlich der Postbote war. Aber eigentlich kommt ja am Sonntag kein Postbote. Aber vielleicht ja doch. Erstaunt öffnet Max den Briefkasten: „Das ist ja eine Schatzkarte!“ - „Das gibt es doch nicht, eine Schatzkarte in unserem Briefkasten“, sagt Mia, „wer die wohl da reingeschmissen hat? Für was die überhaupt bestimmt ist? Und wo der Schatz liegt? In unserem Garten oder in Asien?“ - Max brüllt: „Hör auf, lauter Fragen zu stellen! Nur eine werde ich dir beantworten, NEIN wir werden NICHT nach Asien fliegen !“ Und Max denkt wütend: 'Warum habe ich so eine Zwillingsschwester, die mich die ganze Zeit nervt? Was soll denn das?' Sie gehen erst mal hinein, um sich die Schatzkarte genauer anzuschauen. Weil gerade Ferien sind,  beschließen sie, am nächsten Tag loszugehen. - Nach dem Frühstück machen sie sich auf den Weg. Max schnappt sich nur noch einen Schokoriegel und rennt Mia hinterher.

Sie gehen genau den Weg, der auf der Schatzkarte eingezeichnet ist. Aber der Malbär hatte ja auch ein paar Irrwege eingetragen. So landen Max und Mia immer wieder in einer Sackgasse. Doch schließlich, nach zwei langen Stunden, bleibt nur noch ein einziger Weg übrig, den sie noch nicht gegangen sind. Und dort entdecken sie tatsächlich die Mülltonne! „Hier muss der Schatz sein!“, ruft Max. Sie heben den Deckel der Mülltonne hoch und finden die Schatztruhe. Sie öffnen sie sofort. „Hey, das sind ja jede Menge Schokomünzen!“, jubeln die beiden. Dann sehen sie auf jeder Münze ein kleines Schild. Darauf steht: Rein bärkologisch!  „Was ist denn bärkologisch?“, fragt Mia. „Keine Ahnung“, sagt Max, „aber ist doch wurscht!“ Und so sind die beiden den ganzen Rest der Ferien mit Schokolade versorgt. Wo die Münzen allerdings herkamen – das wird für immer ein Geheimnis bleiben.