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Geschichten von Matthias Hoppe

Geschichten können spannend, lustig, aufregend, nachdenklich,... sein. Für kidnetting.de schreibt der Neuburger Autor Matthias Hoppe exklusiv jeden Monat eine kurze Geschichte. Wie kommt man auf die Idee Geschichten für Kinder zu schreiben und was macht Matthias Hoppe sonst noch? Das erfährst du hier

Aktuelle Geschichte:

Der Armleuchter

Vor dem Einschlafen hat Felix noch eine Frage: „Mama, was ist eigentlich ein Armleuchter?“ - „Wie kommst du denn da drauf?“, fragt Mama zurück.
„Naja“, sagt Felix, „der Manni hat heute auf dem Schulhof zu mir gesagt: 'du Armleuchter'!“
„Das ist aber nicht nett!“, meint Mama, „das ist ein Schimpfwort und bedeutet so viel wie 'Trottel' oder 'Dummkopf'.“ - „Zu mir hat noch nie jemand 'Armleuchter' gesagt“, grinst Felix' Schwester Susi.
„Du bist ja auch ein Mädchen“, lacht Mama, „eine Armleuchterin gibt’s nicht, und eine Trottelin oder Dummköpfin auch nicht. Für Mädchen gibt’s halt andere Schimpfwörter.“
Da wird Susi neugierig: „Uih, welche denn?“ Mama überlegt: „Willst du das wirklich wissen? Aber du musst mir versprechen, dass du das nie zu anderen Mädchen sagst. Du auch nicht, Felix! Versprochen?“ Die beiden nicken und Mama zählt auf: „Zum Beispiel 'Schnepfe' oder 'Zicke', oder noch schlimmer 'Zimtzicke'. Zicke kommt von 'Ziege'. Aber vergesst das mal ganz schnell wieder!“
Felix ist noch nicht zufrieden: „Und wie ist das mit dem Armleuchter? Woher kommt dieses Wort?“
„Das ist ganz einfach“, sagt Mama, „überlegt doch mal. Da stecken ja zwei Wörter drin: Arm und Leuchter. Also ist ein Armleuchter ein Leuchter mit Armen. Man könnte dazu auch einfach 'Kerzenständer' oder 'Kerzenhalter' sagen, wenn er mindestens zwei Arme hat.“
„Und was soll ich machen, wenn Manni wieder 'Armleuchter' zu mir sagt?“, grübelt Felix.
„Dann gehst du einfach weg“, meint Mama, „oder nein, ich weiß etwas viel Besseres!“ Sie holt aus einer Schublade zwei Kerzen und gibt sie Felix. „So, die packst du in deine Schultasche. Und wenn Manni oder sonst jemand dieses Wort sagt, dann schnappst du dir die beiden Kerzen, nimmst eine in jede Hand und streckst deine Arme ganz hoch in die Luft. Und dann rufst du: 'Jawoll, ich bin ein Armleuchter! Und zwar ein wirklicher! Ein Armleuchter ist nämlich ein Kerzenhalter! Seht ihr das? Ich habe zwei Arme, und ich halte zwei Kerzen. Und die leuchten im Dunkeln, wenn man sie anzündet. Also bin ich ein Kerzenhalter, der Licht verbreitet – und ihr nicht, äätsch!'“
Da ist Felix begeistert: “Das ist eine super Idee, Mama!“ - „Ich will aber auch ein Armleuchter sein!“, ruft Susi, „hast du noch zwei Kerzen übrig?“ - „Na klar“, sagt Mama. Sie holt welche und steckt sie in Susis Schultasche. „So und jetzt schlaft ganz gut, meine beiden tapferen Kerzenhalter!“


 


© Matthias Hoppe

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